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Präsentation und Rede zum Moral Courage Award PDF Drucken E-Mail
Montag, 24. März 2008
 
AJC - Julie Baskes: Präsentation des AJC Moral Courage Preises an Marita Leßny
HOTEL ADLON, 11. März, 2008

"Der Preis des AJC für moralische Courage würdigt Menschen, die in ihrem täglichen Leben Mut gezeigt haben, um Ungerechtigkeit und Intoleranz zu begegnen. Menschen, die nicht gezögert haben, ihren moralischen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen, häufig auf Kosten eines großen persönlichen Risikos, um für die Rechte anderer aufzustehen und nach Gerechtigkeit zu streben.

Wir sind stolz, in diesem Geist Marita Leßny mit dem AJC Moral Courage – Preis zu ehren. Frau Leßny, die in Berlin lebt, ist Mutter von zwei Kindern und fünf Pflegekindern. Im Jahr 2006 nahm sie ein weiteres Pflegekind auf, einen jüdischen Teenager, der in Kreuzberg – einem ethnisch gemischten Bezirk Berlins - lebte. Im Laufe des Jahres wurde das Mädchen von Schulkameraden bedroht, belästigt und schließlich angegriffen. Diese Mitschüler verhöhnten das Mädchen als Jüdin und machten sie zum Sündenbock für die israelischen Militäraktionen im Libanon.
Obwohl Marita Leßny zu dieser Zeit wenig über das Judentum wusste, so spürte sie doch, dass sie Zeugin eines antisemitischen Vorfalls wurde. Trotz Widerstands einiger Personen aus der Schulverwaltung wie auch von Nachbarn, verteidigte sie die Schülerin, um letztendlich Klage gegen die Angreifer einzureichen. Sie war entschlossen, sicherzustellen, dass ein jüdisches Kind in ihrer Nachbarschaft ohne Angst vor Verfolgung leben kann. Zwei der Täter wurden schließlich verurteilt. Trotz Versuchen der Schule, den Vorfall herunterzuspielen und die Angelegenheit als Zickenkrieg darzustellen, beharrte Marita Leßny in ihrem Streben nach Gerechtigkeit. Sie lobte die Unterstützung, die die örtlichen Behörden leisteten, als auch die Rechtshilfe/-beratung, die eine Opferorganisation leistete.

Heute leben Marita und ihre Kinder weiterhin in ihrer Nachbarschaft, trotz der Feindseligkeiten, die ihnen weiterhin begegnen. Marita ist ein Mensch, der nach seinen Überzeugungen handelt, dadurch dem Hass Einhalt gebietend, der immer weiter um sich greift, wenn er nicht in seiner Ausbreitung gestoppt wird. Es ist uns eine Ehre, sie für ihren außerordentlichen Mut mit dem AJC Moral-Courage-Preis auszuzeichnen."

 

Rede von Marita Leßny zum Anlass der Verleihung des AJC Moral-Courage-Awards am 11.03.2008 im Hotel ADLON:

"Es ist ein superschönes Gefühl, so geehrt und gewürdigt zu werden. Mein Vater hat mir beigebracht, dass der Glaube an Gott, Anstand, Moral, Mut, und Nächstenliebe wichtige Bausteine des eigenen Glückes sind.  
Ich habe dies an meine Kinder weitergegeben und sie gaben mir durch ihre Liebe die Kraft, mein Leben auch Anderen zu widmen.

Antonia und Constantin, danke, dass ihr großzügig ward, mich mit den Anderen zu teilen, besonderen Kindern Bruder und Schwester zu sein und so aus verschiedenen Menschen eine wunderbare Familie entstehen zu lassen.

Als Seren als 6. Pflegekind in unsere Familie kam und ihre Mutter von vielen antisemitischen Verfolgungen berichtete, konnte ich es nicht wirklich glauben. Antisemitismus in Kreuzberg?
Was ich dann jedoch in den letzten zwei Jahren miterleben musste hat mich erschüttert.
Nicht die Täter, die gab es schon immer, aber die Gleichgültigkeit meiner Umgebung, Bagatellisieren der Vorfälle, das Weggucken, nicht sehen wollen und
die Resignation der Betroffenen: Was soll ich machen?
In den letzten zwei Jahren gab es viele Übergriffe auf das Mädchen,
auch Ann-Charlott als Serens beste Freundin und Pflegeschwester bekam den Hass zu spüren.

9 Taten wurden zur Anzeige gebracht,
7 Täter wurden innerhalb
3 Gerichtsverhandlungen verurteilt.
Zum Glück sind wir auf diesem schlimmen Weg immer wieder Menschen mit Engagement und Mut begegnet.

Die Polizei nahm die Vorkommnisse ernst. Herr S. vom Staatsschutz überzeugte die Mädchen, dass sie ernst genommen und geschützt werden.
Zuflucht und Hilfe bei einem Überfall fanden die Mädchen bei einem Restaurantchef  und dann war da Schuschi tröstend für uns da, stv. Vorsitzende des Pflegeelternvereins AktivVerbund, sie begleitete mich zu Gesprächen, schaffte den Kontakt zu Gabi Probst vom RBB, die eine Reportage zu den Vorkommnissen drehte. Auch die Presse berichtete.
Im Rahmen der TV-Präsents wurde Herr Joffe von der Jüdischen Gemeinde aufmerksam, und letztendlich wurde den Mädchen in der Jüdischen Oberschule ein Schulplatz angeboten und mitfinanziert.
Seit über einem Jahrbesuchen Seren und Ann-Charlott die Schule und sind glücklich. Keine Angst mehr haben zu müssen, wenn es zur Pause klingelt, ist besonders für Seren ein entlastendes, tolles Gefühl. Die Mädchen wurden mit offenen Armen aufgenommen und können sich jetzt auf das konzentrieren, was für Mädchen dieses Alters wichtig ist: Freunde und Schönheit. Und sie haben den Kopf frei zum lernen.
Wir wurden von Pieke Biermann interviewt, viele interessiert das Schicksal von Seren und Ann-Charlott.
Und so konnten die Beiden ihre Erlebnisse erzählen und bekamen vermittelt: ihr seid im Recht, wir ächten antisemitische Übergriffe und so ist auch dieser Preis eine Antwort auf die Frage: Lohnt es, sich zur Wehr zu setzen, Gesicht zu zeigen, laut um Hilfe zu bitten? Die Antwort muss für jeden von uns Lauten: ja!
Diese Erfahrungen machen mir Mut, meinen Weg weiter zu gehen, darauf zu vertrauen, dass es Menschen wie die gerade erwähnten gibt, die mir helfen und mich unterstützen  unsere Gegenwart und Zukunft so zu gestalten, dass jeder seinen Platz hat.
Bei meiner Arbeit, im AktivVerbund für Pflegeeltern oder bei Wildfang e. V.,  die Feriencamps für Adoptiv – und Pflegekinder veranstalten, oder in unserem Schul – Elterncafe, überall werden engagierte Menschen gebraucht, die sich für andere einsetzen und zur alltäglichen Völkerverständigung beitragen. Danke"
 

 
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