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Statistisch gesehen hat eine Berliner Durchschnittsfamilie 1,4 Kinder. Darüber kann Meta Kemmerich aus Spandau nur lachen: Denn sie ist 35-fache Mutter.
Zwei Kinder hat sie selbst auf die Welt gebracht. Für die 33 anderen Schützlinge war sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten Pflegemutter. Und das fast im Alleingang: Ihr Mann ist beruflich viel unterwegs.
„Früher habe ich als Tagesmutter gearbeitet“, sagt Mama Held, „auf Empfehlung des Jugendamtes habe ich dann irgendwann Pflegekinder aufgenommen.“
Drei Pflegekinder hat sie zurzeit: Andy (18) kam kurz nach seiner Geburt zu Meta Kemmerich. „Sie ist meine Mama!“, sagt er ganz selbstverständlich. Im Garten der gebürtigen Rheinländerin spielen außerdem Manuel* (6) und Tobias* (10) zusammen Fußball.
9000 Kinder leben in Berlin nicht bei ihren Familien, knapp 3000 von ihnen bei Pflegeeltern. Die meisten kommen aus schwierigen Verhältnissen. Vater und Mutter sind gestorben oder schwer krank, viele wurden vernachlässigt.
In den Pflegefamilien sollen sie das Zuhause finden, das ihnen die leiblichen Eltern nicht bieten konnten. „Ich gehe in dieser Arbeit auf“, sagt Meta Kemmerich. „Wir helfen den Kindern, das Erlebte zu verarbeiten. So können sie noch mal neu ins Leben starten.“
Doch Mama Held ist nicht nur für ihre Kinder da, sie engagiert sich auch im Verein AktivVerbund Berlin. „Wir leisten Lobbyarbeit, beraten Pflegeeltern, begleiten sie bei schwierigen Behördengängen, vermitteln Therapeuten und organisieren Schulungen“, sagt sie. Gegründet wurde der Verein im Jahr 2004.
Der Senat plante damals Kürzungen beim Geld für Pflegeeltern. Meta Kemmerich wendete sich an den Jugendausschuss des Abgeordnetenhauses und erhielt die Erlaubnis, während einer Sitzung zwei Minuten lang zu sprechen.
Es wurde eine wütende Anklage: „Viele Kinder wurden gequält und missbraucht. Sie sind traumatisiert und brauchen Therapien. Für mein behindertes Pflegekind habe ich mein ganzes Leben umgestellt!“, schüttet Kemmerich ihr Herz aus.
Sie redet 30 Minuten lang, kein Politiker traut sich, die aufgewühlte Mutter zu unterbrechen. „Nach dieser legendären Rede hatten die Politiker feuchte Augen“, erinnert sich ihre Mitstreiterin und Mitgründerin des Vereins Renate Schusch (59). Und vor allem: Gekürzt wurde nicht!
Wer selbst helfen möchte oder Hilfe sucht, erreicht den Aktiv-Verbund unter Tel: (030) 61743713.
Quelle : bz-berlin.de
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